Zwei Punkte, vier Behandlungsorte

Manchen Patienten gebe ich am Ende der Sitzung eine Hausaufgabe mit: die vier Tore. Das stabilisiert den Behandlungserfolg zwischen den Terminen, kostet nichts und braucht keine fünf Minuten am Tag.

Die vier Tore sind eine klassische Punktekombination der chinesischen Medizin. Sie besteht aus zwei Punkten, die beidseitig gedrückt werden, daher der Name: Di 4 auf dem Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger, Le 3 auf dem Fußrücken zwischen erstem und zweitem Mittelfußknochen. Hand und Fuß, oben und unten, Yang und Yin.

In der TCM gilt diese Kombination als Strategie, um Qi und Blut in Bewegung zu bringen, wenn etwas stockt. Bei Verspannungen, bei Schmerzen, bei innerer Anspannung. Ein Bild dafür: Wer in einem stickigen Flur Durchzug will, öffnet die Türen an beiden Enden. Genau das sollen die vier Tore im Körper tun.

Di 4: der Punkt in der Hand

Di 4 liegt in der Mitte des Muskelbauchs, der sich wölbt, wenn Sie Daumen und Zeigefinger zusammenpressen. Die chinesische Medizin schreibt ihm alles zu, was sich im Kopf- und Gesichtsbereich abspielt: Kopfschmerzen, Kieferspannung, Zahnschmerzen, auch beginnende Erkältungen gehören traditionell zu seinem Einsatzgebiet.

So massieren Sie ihn: Mit dem Daumen tief in den Punkt drücken, der Zeigefinger stützt von der Handinnenseite dagegen. Dann den Muskel langsam durchkneten. Ist der Punkt schmerzfrei, spricht das aus Sicht der TCM für Vitalität. Schmerzt er, wiederholen Sie die Massage über die Tage, bis der Druck angenehm und belebend wird.

Le 3: der Punkt am Fuß

Le 3 liegt in einer fühlbaren kleinen Grube auf dem Fußrücken, kurz vor der Stelle, an der erster und zweiter Mittelfußknochen zusammenlaufen. Er ist der Quellpunkt der Leber-Leitbahn und einer der meistgenutzten Punkte überhaupt. Die TCM setzt ihn ein, wenn Leber-Qi stagniert, und verbindet damit so unterschiedliche Bilder wie Menstruationsbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit und schlechten Schlaf.

Die Massage: mit dem Daumen tief in die Mulde drücken und in kleinen Kreisen arbeiten, auf beiden Füßen.

Was die Kombination ausmacht

Erst zusammen werden die beiden Punkte zu den vier Toren. Aus Sicht der chinesischen Medizin gleichen sie Oben und Unten aus, Yin und Yang, und halten den Fluss von Qi und Blut im ganzen Körper offen. Deshalb greife ich zu ihnen bei Verspannungen ebenso wie bei innerer Unruhe, auch dann, wenn sich jemand in einer Situation festgefahren fühlt.

Die TCM schreibt der Kombination noch zwei Dinge zu. Sie wirkt auf alle drei Erwärmer, also auf den oberen, mittleren und unteren Rumpfabschnitt vom Brustkorb bis zum Unterbauch. Und sie kümmert sich um den Wind. Wind steht in der chinesischen Medizin für alles Unstete: Beschwerden, die wandern, plötzlich auftauchen, zucken oder ihre Stärke wechseln wie Böen an einem stürmischen Tag. Dieser Wind kann auch verborgen im Körper liegen und sich erst später bemerkbar machen. Die vier Tore stöbern ihn auf, wie man Staub aus einer Zimmerecke erst aufwirbeln muss, bevor man ihn hinauskehren kann. Dann leiten sie ihn aus, und das Unruhige kommt zur Ruhe.

Sie können die vier Tore mehrmals täglich drücken, jede Seite etwa eine Minute. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Kraft. Wie diese Punktarbeit in eine Behandlung eingebettet ist, lesen Sie auf meiner Seite zur Akupressur.