Die Dynamik der Körperflüssigkeiten
Craniosakrale Osteopathie arbeitet mit der Flüssigkeit, die das Gehirn umspült
und in der sich eine Ebbe und Flut artige primäre "Atem-Bewegung" finden läßt
mit einer sich alternierenden Ausdehnungsphase und einem Zusammenziehen.
Dieser Liquor umspült nicht nur das Gehirn, sondern auch das Rückenmark mit
den dort beginnenden (und vielleicht gereizten) Nervenwurzeln: unser Nerven-
system "schwebt" quasi im Liquor badend ... das dient dem Gehirn und seinen
feinen Nervenverästelungen als Stoßdämpfung und andererseits als ein Trans-
portmedium für den "Atem des Lebens", dem "Breath of Live", der ein unzerstör-
barer Ausdruck des Lebendigkeit ist ... die Gesundheit selbst, wenn man so will.
Diese Flüssigkeitsdynamik im Zentrum findet sich mit ein wenig Übung überall
im Körper wieder und und bietet die einzigartige Chance, sich über jede Region
im Körper mit der innewohnenden Gesundheit zu synchronisieren ... das hört
sich für skeptische Ohren sicherlich ein wenig mystisch an, hat aber äußerst
praktische Aspekte für eine osteopathische Behandlung.
Osteopathie ist keine Lymphdrainage im eigentlichen Sinn, arbeitet aber auch
mit der Lymphflüssigkeit ... unserem Entsorgungssystem. Osteopathie arbeitet
mit der Optimierung der Durchblutung im Körper ... auch ein elementar wichtiges
Flüssigkeitssystem. Darüberhinaus gibt es einen Zellzwischenraum, den sog.
Extrazellulärraum, der beim Embryo noch vor der Entstehung des Herz-Kreislauf-
Systems existiert. Ein erklärtes Behandlungsziel der Osteopathie ist es, in allen
Körperbereichen mit Verspannungen und Dysfunktionen, in denen sich eine
verminderte Flüssigkeitszirkulation eingestellt hat, den Austausch und damit den
vollständigen Abtransport im Zellzwischenraum wiederherzustellen ... damit der
primäre "Atem des Lebens" wieder vollständig in den behandelten Geweben und
Körperabschnitten pulsiert.
Der primäre Respirationsmechanismus ("Breath of Life") drückt Flüssigkeit in
den Zellzwischenraum und erzeugt auf diese Weise Flüssigkeitswellen im Körper
und der Zellstoffwechsel wiederum ist angewiesen auf diese Gezeitenbewegung,
um den Aufbau von Milchsäure, Kohlendioxid und anderen Stoffwechselprodukten
in der Zelle und um die Zellen herum zu verhindern ... bedenken Sie dabei das
Ausmaß dieses Vorganges: 20% des Körpergewichts sind Extrazellulärraum, das
sind ca. 14 Liter Flüssigkeit, die sich zwischen den Zellen und Faszienschichten
(als den Hüllen um Organe und Muskeln) bewegen!
In Bereichen, in denen Körperfunktionen behindert sind oder nur schlecht ablaufen
können, bewegt sich die Extrazellulärflüssigkeit nicht ... sie ist da, aber sie ist nicht
in Bewegung. Verspannte, kranke oder eingeschränkte Bereiche werden ernährt
durch den Blutstrom der feinsten Enden der Blutgefäße und geben Abfallprodukte
auf ähnlichem Weg ab ... aber sie leben auf einem niedrigeren Vitalitätsniveau als
andere Bereiche, in denen die Zwischenzell-Flüssigkeit eben gut fließt und frei in
Bewegung ist, sich mit anderen benachbarten Geweben auszutauschen.
Was also tun? Faszien, Bänder, Sehnen und Gelenkkapseln entspannen,
denn sie ziehen die Knochen aus ihrer Gelenkposition, sie verengen die
Nerven-, Blut- und Lymphgefäße ... und ... sie behindern das Strömen der
Flüssigkeit zwischen allen Zellarten und drosseln auf diese Weise das
Vitalitätsniveau durch den zwar alles durchdringenden "Atem des Lebens",
aber der Ebbe- und Fluteffekt dieser Lebendigkeit wird stockend, verliert
an Tiefenwirkung ... und verliert (als die eigentliche Tragik) seine natürliche
Regenerationsfähigkeit. Selbstregulation ist kein Schlagwort, sondern
Wirklichkeit in einem gut versorgten Organismus!
